Teutsch? Jawoll! Techno? Kunst!

8. April 1999 08:41
gHack:

Witzig, dass Voigt sich gegen den Sound- und Stilklau aus Angloamerika
ausspricht und gleichzeitig begeistert auf jene Klischees einsteigt,
die genau diese Angloamerikaner für die Deutschen konstruiert
haben: Wagner und Wald. Melancholie und Schwere. Caspar, David und
Friedrich. Teutsch, halt. Heraus kommen da nur Kasper von der
Vogelweide, die dann, wie „Rammstein“, in Angloamerika die deutschen
Seppln geben dürfen. Oder wie Joachim Witt ihre Produkte
„Bayreuth“ taufen und dann heimlich im schwarz tapezierten
Kämmerchen sich händereibend auf die hoffentlich bald
eintreffenden und Aufmerksamkeit garantierenden
Faschismus-Vorwürfe freuen. Und wenn sie dann kommen,
natürlich empört über die pseudolinken Gutmenschen
gackern, die eh keine Ahnung hätten. Wirklich très nouveau.
*Gähn*. Wahrscheinlich fällt er aber nur auf den britischen
Popkultur-Jingoism herein. Dabei müssen deutsche Künstler
nichts besonders „deutsches“ machen. Pop ist offen und international
oder unbedeutend. Weiterhin kann ich nicht verstehen, wenn sich die
Techno-Szene (wenn es sowas überhaupt noch geben sollte) über
mangelnde mediale Aufmerksamkeit ausgerechnet im deutschen Feuilleton
beklagt! Im deutschen Feuilleton findet Spaß nicht statt. Seid
Ihr so scharf drauf, intellektualisiert, schlecht analysiert und von
Theaterwissenschaftler-Sugardaddies ausgelutscht zu werden? Aber ja! Es
geht schließlich um „Kunst“! Dabei ist eine Avantgarde
spätestens dann vollkommen verrottet und uninteressant, wenn „Art“
ihr ein eigenes Titelblatt widmet. Aber wem sage ich das eigentlich?
Technokunst: Ab in die FAZ! Aber hoppla!

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